Trump reorganisiert das US-Imperium
Wie die USA mit der „Donroe-Doktrin“ vom Partner zum Beherrscher werden
Kernpunkt: “Donroe-Doktrin”
Die Entführung von Nicolás Maduro in Venezuela und der Annexionsanspruch auf Grönland markieren den Beginn der „Donroe-Doktrin“.1 Donald Trump transformiert die USA vom kooperativen Hegemon zum expliziten Imperium. Er ersetzt diplomatische Normen durch eine radikale transaktionale Logik: Allianzen werden zu „Mietverträgen“, Verbündete zu Vasallen und Geografie zur Beute. Ziel ist die totale Konsolidierung der westlichen Hemisphäre für den finalen Systemkonflikt mit China.
Bedeutung: Das Ende der Nachkriegsordnung
Die „Donroe-Doktrin“ markiert den endgültigen Bruch mit der 1945 geschaffenen Weltordnung. Internationale Organisationen wie die Vereinten Nationen werden in dieser neuen Ära irrelevant. Trumps USA, die bereits aus Dutzenden multilateralen Abkommen ausgetreten sind, demaskieren das System als hinfällig.
Rückkehr zum 19. Jahrhundert: Wir verlassen die Ära des Multilateralismus und kehren zurück zu einer Weltordnung, wie sie im 19. Jahrhundert herrschte. Es geht nicht mehr um globale Regeln, sondern um exklusive Einflusssphären, territoriale Expansion und nackte Machtpolitik.
Die neue Hierarchie: In der neuen Ordnung gibt es Gespräche auf Augenhöhe nur noch zwischen den drei oder vier verbliebenen Imperien. Mittlere und kleine Mächte werden nicht mehr als souveräne Partner wahrgenommen. Sie werden entweder erpresst, ignoriert oder als reine materielle Reserve für das US-Zentrum (oder andere Imperien) degradiert.
Extraktion statt Kooperation: Europa und Japan sind in dieser Logik keine strategischen Partner mehr. Ihr Zweck ist es, die industrielle und finanzielle Last der US-Aufrüstung mitzutragen. Ein zersplittertes Europa ist dabei das ideale Ziel für diese Ressourcen-Extraktion.
Von der Hegemonie zur Archē: Historisch gleicht dies der Wandlung Athens im 5. Jahrhundert v. Chr. Der Stadtstaat begann als Hegemon (Anführer) des attisch-delischen Seebundes. Doch als er die Bundeskasse von Delos raubte und abtrünnige Verbündete gewaltsam unterwarf, wurde aus der Hegemonie eine Archē (Herrschaft) – und Athen wurde zur „Tyrannenstadt“.
Karte: Die Umrisse des neuen Imperiums
Anatomie des Umbruchs: Macht vor Recht
Die Ereignisse der ersten Januarwoche 2026 zeigen die operative Umsetzung dieser Reorganisation:
Operation Absolute Resolve (Venezuela): In der Nacht zum 3. Januar 2025 startete ein massiver Schlag mit über 150 Flugzeugen. Während Cyber-Kommandos das Stromnetz Venezuelas ausschalteten, drangen Spezialeinheiten in Caracas ein und entführten Maduro. Das Foto des gefesselten Präsidenten an Bord der USS Iwo Jima war eine bewusste PSYOP: Es signalisiert das Ende des Völkerrechts zugunsten eines nackten Machtrealismus.2
Grönland-Übernahme: Trump behandelt Grönland als strategische Immobilie. Berichten zufolge hat er das Pentagon angewiesen, konkrete militärische Optionen für eine Übernahme zu prüfen, sollte Dänemark dem „Kauf“ weiterhin widersprechen.3 Pläne für Barzahlungen von bis zu 100.000 Dollar an einzelne Grönländer zeigen, dass Geopolitik nun als aggressiver Immobilien-Deal begriffen wird.
Perspektiven: Stimmen der neuen Realität
Karl Haushofer (Begründer der deutschen Schule der Geopolitik) schrieb vor knapp 100 Jahren: “Die Großmacht ist im Grunde ein mit reichen Machtmitteln ausgerüsteter Wille, der sich in Ansprüchen und Einflüssen außerhalb der eigenen Wände spiegelt. Wir fügen hinzu: Wille zur Machtvergrößerung. Keine Großmacht ist eigentlich ‘saturiert’. Großmächte sind ‘Ausdehnungsstaaten’. (...) Sie werden und vergehen eben mit dem Willen zur Größe. Es gibt für sie nicht nur einen körperlichen, sondern auch einen geistigen Tod: den Verzicht, das freiwillige Ausscheiden aus dem Wettkampf um das höchste Ziel, das plötzliche Aufgeben der Ansprüche, an der politischen und kulturellen Gestaltung der Welt teilzunehmen. Die Großmächte sterben wie die Naturvölker, aus Mangel an Willen zum Leben in seiner höchsten Steigerung.”4
Stephen Miller (Stellvertretender Stabschef im Weißen Haus und Chefberater von Trump): “Wir leben in einer Welt, in der man über internationale Höflichkeiten und alles andere reden kann, so viel man will, aber wir leben in einer Welt, in der die Realität von Stärke, Gewalt und Macht bestimmt wird. Das sind seit Anbeginn der Zeit die eisernen Gesetze der Welt.”5
Jeffrey Sachs (Professor an der Columbia-Universität): “Es gibt keine regelbasierte Ordnung. Das ist ein Märchen der Vereinigten Staaten. Wer das in den letzten 25 Jahren geglaubt hat, hat nicht darauf geachtet, dass die Vereinigten Staaten von einem militärischen Sicherheitsapparat, der CIA, dem Pentagon und anderen Sicherheitsbehörden regiert werden, die die amerikanische Außenpolitik weitgehend bestimmen. Und eine der Säulen der amerikanischen Außenpolitik ist der Regimewechsel, entweder durch Kriege oder durch sogenannte farbige Revolutionen oder durch Attentate und Staatsstreiche.”6
Tucker Carlson (einflussreicher politischer Kommentator): “Wir leben heute in einer Welt, in der Länder ohne Reue in ihrem eigenen Interesse handeln, soweit sie dazu in der Lage sind, sei es mit Gewalt oder List, mit wirtschaftlicher oder militärischer Macht oder mit Tricks. Aber niemand muss so tun, als würden wir dies tun, weil wir die Menschenrechte hochhalten. Also noch einmal: Das ist großartig. Viele Menschen sind davon begeistert. Ich werde nicht dagegen argumentieren, denn es ist bereits geschehen. Es ist vollbracht. Das ist die neue Welt, in der wir leben, ob gut oder schlecht.”7
Herfried Münkler (emeritierter Professor an der Humboldt-Universität und Autor zahlreicher Bücher zur Geopolitik) stellt fest, dass die werte- und regelbasierte Weltordnung beendet ist, weil die großen Mächte USA, Russland und China sich nicht mehr an die Regeln halten. Er fragt, was an die Stelle der alten Weltordnung treten könnte: “Um eine machtbasierte Ordnung zu werden, bedarf die gewaltaffine Unordnung ihrerseits gewisser Regeln, auch wenn diese Regeln nicht für alle in gleicher Weise gelten, sondern auf den Umgang der großen Mächte untereinander beschränkt bleiben. Die kleinen und mittleren Mächte müssen sich dann dem Willen und den Vorgaben der großen Mächte fügen, wie wir es gegenwärtig bei dem venezolanischen Rest-Regime beobachten können.” Eine solche Dreierordnung ist jedoch instabil, so Münkler. Besser wäre eine Fünferordnung (Pentarchie), als deren Mitglieder er auch Indien und Europa sieht – vorausgesetzt, dass es gelingt, Europa politisch zu konsolidieren.8
Prognosen: Was folgt daraus?
NATO-Kollaps: Das Bündnis hat als Wertegemeinschaft aufgehört zu existieren. Washington benötigt nur noch logistische Stützpunkte, keine Partner mit Vetorecht.
Die Kanada-Klammer: Washington wird keine eigenständige Politik Ottawas mehr dulden. Kanada droht die faktische Absorption in einen nordamerikanischen Sicherheitsblock zur lückenlosen Abriegelung der Hemisphäre.
Der Taiwan-Präzedenzfall: Wenn Territorium wieder zur „Immobilie“ wird, sinkt die Hemmschwelle für Peking und Moskau massiv, eigene regionale Ansprüche (Taiwan, Ukraine) militärisch oder mit Hilfe anderer Machtmittel durchzusetzen.
Europas Schicksal: Ohne radikale politische Konsolidierung wird Europa zur bloßen Ressource. Sein Kapital und seine Industrie werden zur Disposition gestellt, um das US-Zentrum im Überlebenskampf gegen China zu stützen.
Trivia: Gold für Grönland
Ein altes Projekt: US-Präsident Harry S. Truman versuchte bereits 1946, Grönland von Dänemark für 100 Millionen Dollar in Gold zu kaufen. Die ersten Überlegungen innerhalb der US-Regierung gab es bereits 1867, kurz nach dem Kauf von Alaska.9
Der goldene Turm: 2019 twitterte Trump eine Fotomontage eines goldenen Trump-Towers inmitten grönländischer Holzhütten mit dem Versprechen: „Ich verspreche, Grönland das nicht anzutun.“ Heute wirkt dieser Witz wie eine Prophezeiung.
Der Begriff “Donroe-Doktrin” wurde im Januar 2025 von der New York Post geprägt. Er bezeichnet die außenpolitische Strategie des amerikanischen Präsidenten Donald Trump, die den Machtanspruch der USA auf die westliche Hemisphäre erhebt. Vgl. Trumps “Donroe-Doktrin” und was sie für die Welt bedeutet, Watson, 05.01.2026, https://www.watson.ch/international/analyse/285259618-trumps-donroe-doktrin-und-was-sie-fuer-die-welt-bedeutet
Trump shares photo of Maduro after capture, Axios, 03.01.2026, https://www.axios.com/2026/01/03/maduro-photo-trump-capture
Trump lässt Invasionsplan für Grönland ausarbeiten, BILD, 12.01.2026, https://www.bild.de/politik/ausland-und-internationales/trump-laesst-invasionsplan-fuer-groenland-ausarbeiten-und-stoesst-auf-widerstand-694c4f69f6fc544dba9b3134
Karl Haushofer: Das Wesen der Großmacht, in: Karl Haushofer (Hrsg.): Die Großmächte vor und nach dem Weltkriege, Leipzig u. Berlin 1930.
Forbes Breaking News, 06.01.2026, (5m:51s):
Interview mit India Today, 07.01.2026,
The Tucker Carlson Show, 08.01.2026, (9m:03s):
Herfried Münkler: Europa muss seinen schönen Traum aufgeben – sonst gewinnen die Regelbrecher das Machtspiel, Die Welt, 11.01.2026, https://www.welt.de/politik/deutschland/plus695d2d2d128ceb4c12ff3862/neue-weltordnung-europa-muss-seinen-schoenen-traum-aufgeben-sonst-gewinnen-die-regelbrecher-das-machtspiel.html
America has actually tried to acquire Greenland 3 other times, as early as 1867, Fortune, 08.01.2026, https://fortune.com/2026/01/08/secret-history-american-efforts-to-acquire-greenland-civil-war-world-war-ii/





