Trump greift nach Grönland und dem Panamakanal
Geopolitische Wochenschau Nr. 1
"Die Großmacht ist im Grunde ein mit reichen Machtmitteln ausgerüsteter Wille, der sich in Ansprüchen und Einflüssen außerhalb der eigenen Wände spiegelt. Wir fügen hinzu: Wille zur Machtvergrößerung. Keine Großmacht ist eigentlich 'saturiert'. Großmächte sind 'Ausdehnungsstaaten'."1 Legt man diese Definition von Karl Haushofer, dem Begründer der deutschen Schule der Geopolitik, als Maßstab an, so gibt es in der gegenwärtigen Weltpolitik nur drei Großmächte: Russland, Israel und die USA.
Russlands Wille zur territorialen Ausdehnung zeigte sich spätestens im März 2014, als es die Krim besetzte und annektierte. 2022 erfolgte der Angriff auf die Ukraine und die Annexion der ukrainischen Provinzen Lugansk, Donezk, Cherson und Saporischschja. Wann auch immer der russisch-ukrainische Krieg enden wird, eines stets bereits fest: er wird mit weiteren territorialen Gewinnen Russlands enden.
Israel hatte seinen Willen zur Ausdehnung bereits 1967 im Sechstagekrieg mit der Besetzung der Golanhöhen gezeigt. Der Zusammenbruch der Assad-Herrschaft Anfang Dezember 2024 nutzte es zu weiteren Annexionen von syrischem Territorium, darunter Mt. Hermon, der höchste Berg Syriens.
Die USA folgten seit dem Zweiten Weltkrieg der alten britischen Strategie der Besetzung strategisch wichtiger Punkte mit Militärstützpunkten, ohne jedoch die jeweiligen Gebiete offiziell zu annektieren. Dies könnte sich mit der zweiten Präsidentschaft von Donald Trump ändern.
Bereits Mitte 2019 schlug er als 45. Präsident vor, Grönland zu kaufen, was jedoch von Dänemark, zu dessen Staatsgebiet die Insel seit 1814 gehört, mit deutlichen Worten abgelehnt wurde. Vor wenigen Tagen machte Trump in einem Social-Media-Post anlässlich der Ernennung des neuen US-Botschafters für Dänemark deutlich, dass er weiterhin an diesem Vorhaben festhält.
Am gleichen Tag machte Trump auf seinem Social-Media-Kanal deutlich, dass er zudem vorhabe, auch den Panama-Kanal wieder unter die Kontrolle der USA zu bringen.
Der Panamakanal wurde zwischen 1904 und 1914 unter US-amerikanischer Leitung gebaut, nachdem die USA 1903 das Gebiet besetzt hatten, es von Kolumbien abspalteten und Panama als unabhängigen Staat ausriefen. Die Panamakanalzone blieb daraufhin für ein Jahrhundert von US-Militär besetzt. 1977 vereinbarte US-Präsident Carter mit General Omar Torrijos, dem Führer der panamaischen Militärregierung, die Rückgabe Kanalgebietes im Jahr 2000.
Als Grund für das erneute Interesse der USA am Besitz des Panamakanals gibt Trump die angeblich überhöhten panamaischen Gebühren für Schiffspassagen an. Außerdem solle der Kanal nicht in die "falschen Hände geraten", womit er China meinte, dass seine Absicht bekundet hatte, im Gebiet des Panamakanals zu investieren.
Die chinesische Strategie der weltweiten Direktinvestitionen, insbesondere in Infrastrukturprojekte, folgt bislang der amerikanischen nach 1945. Seit der Besetzung und Annexion Tibets im Jahr 1950 hatte China auf territoriale Erweiterungen verzichtet. Ob es nach der Definition von Haushofer immer noch als eine Großmacht angesehen werden kann, wird sich in der Taiwan-Frage zeigen. Das "ob" des Anschlusses scheint bereits festzustehen, nur ist sich die chinesische Führung nicht sicher, ob die Heimholung der Insel militärisch oder politisch erfolgen solle.
Dass die europäischen Staaten – also vor allem Großbritannien, Frankreich und Deutschland –, keine Großmächte mehr sind, zeigt sich nicht in deren Machtmitteln, denn die sind durchaus vorhanden, – sondern in ihrem fehlenden Willen zur Machtvergrößerung. Schlimmer noch: Großbritannien muss sich sorgen, mit Schottland und Nordirland Teile seines Kernlandes zu verlieren. Frankreichs Stellung in seinem afrikanischen Hinterhof wurde in den vergangenen Jahr erheblich geschwächt. Und in Deutschland wird der Wille zur Rückgewinnung seiner verlorenen Ostgebiete seit 1945 Jahr für Jahr schwächer.
Dass Großmächte nicht für immer Großmächte bleiben und dass dies vor allem eine Frage des Willens ist, stellte Karl Haushofer in seinem eingangs zitierten Text ebenso dar: "Sie werden und vergehen eben mit dem Willen zur Größe. Es gibt für sie nicht nur einen körperlichen, sondern auch einen geistigen Tod: den Verzicht, das freiwillige Ausscheiden aus dem Wettkampf um das höchste Ziel, das plötzliche Aufgeben der Ansprüche, an der politischen und kulturellen Gestaltung der Welt teilzunehmen. Die Großmächte sterben wie die Naturvölker, aus Mangel an Willen zum Leben in seiner höchsten Steigerung."2
Karl Haushofer: Das Wesen der Großmacht, in: Karl Haushofer (Hrsg.): Die Großmächte vor und nach dem Weltkriege. Dreiundzwanzigste Auflage der Großmächte Rudolf Kjelléns, Zweite Auflage der Neubearbeitung, Leipzig und Berlin 1930.
Ebenda.





